Im dritten Anlauf drinbleiben

Im dritten Anlauf drinbleiben

Originaltext aus der Odenwälder Zeitung vom 24.07.2026:

Fußballer vor der Saison: Der Klassenerhalt in der Hessenliga hat für den SV Unter-Flockenbach höchste Priorität. Vorbereitung und Transfers versprühen Optimismus.

Im dritten Anlauf drinbleiben

Von Nicolai Lehnort

Unter-Flockenbach. Der SV Unter-Flockenbach nimmt den dritten Anlauf. Zweimal hatten die Odenwälder den Klassenerhalt in der Fußball-Hessenliga angepeilt, zweimal blieb es beim kurzen Gastspiel im hessischen Oberhaus. Mal waren gruselige 110 Gegentreffer, mal die magere Ausbeute auf fremden Plätzen ausschlaggebend. Gefehlt haben beide Male aber nur eine Handvoll Punkte, um einem der bis zu fünf Abstiegsränge zu entgehen.

Lukas Cambeis ist optimistisch, dass sein Team diesmal über dem Strich landet. „Zum einen, weil einige Spieler die Erfahrung Hessenliga jetzt schon einmal gemacht haben“, verweist der Trainer auf zehn Spieler im aktuellen Kader, die beim Abstieg 2025 schon dabei waren. „Zum anderen wächst unsere noch Mannschaft immer weiter. Sie sind noch jung und wollen etwas erreichen.“ Mit Erfahrung, Ehrgeiz und einer gesund Portion Mut soll die Mission Klassenerhalt diesmal gelingen.

Denn Bus parken ist nicht in Unter-Flockenbach. Auch als Abstiegskandidat, zu denen der SVU mit im Vergleich zur Verbandsliga nahezu unverändertem Etat zählt, will Cambeis das dominante Spiel aus der Meistersaison fortsetzen. „Mir ist es wichtig, dass wir einen aktiven und mutigen Fußball spielen“, kündigt der Trainer einen Ansatz aus hohem Pressing und Intensität an. In „nur wenigen Spielen“ soll es etwas passiver zugehen. Eine Vorgehensweise, die sich in den vergangenen Wochen bewährt hat.

Mit Oberligisten mitgehalten

Da hat der SVU in Testspielen gegen die drei Oberligisten Wormatia Worms (1:3), Mühlhausen (4:4) und Pirmasens (3:5) gezeigt, dass er in der neuen Spielklasse mithalten kann. „Wir waren in jedem Spiel mindestens auf Augenhöhe“, bilanziert Cambeis, die Anzahl der Gegentore zeigt aber auch: „Fehler werden härter bestraft als noch in der Verbandsliga.“ Ein Fokus lag in der am Dienstag mit dem Testspiel bei Landesligist FV Brühl (4:0) zu Ende gegangenen Vorbereitung, mit der sich der Trainer rückblickend „sehr zufrieden“ zeigt, daher auf der Abwehrarbeit.

Dort hat sich der ehemalige U16-Nationalspieler Nico Neukirch als einer der neun Neuzugänge hervorgetan. Der in der Jugend von Mainz 05 ausgebildete 20-Jährige ist auf der Sechs und in der Dreierkette variabel einsetzbar. Auch wie schnell sich der gleichaltrige Lennox Schmitt im offensiven Mittelfeld etabliert hat, dürfte für Außenstehende überraschen. „Ich wusste aber, was mich erwartet und was ich an ihm habe“, sagt Cambeis über seinen ehemaligen Schützling bei der TSG Weinheim. Überhaupt zieht der Coach nach seiner ersten Sommertransferperiode seit dem Amtsantritt im August 2025, in der er die Mannschaft nach seinen Möglichkeiten umbauen konnte, eine erfreuliche Bilanz: „Wir haben eine Gruppe beisammen, die in der Breite besser ist als letzte Saison und auch charakterlich einen super Eindruck macht.“

Im Gegensatz zu vielen seiner Spieler wird das Auswärtsspiel zum Auftakt bei Rot-Weiss Walldorf, wo es am 2. August (Sonntag, 15.30 Uhr) beim Ex-Verein von Neukirch und dem ebenfalls Neuen Aymen Belachemi zum Wiedersehen mit dem abgewanderten Luca Kaiser kommt, die Hessenliga-Premiere für den Trainer des SVU. Gespielt hat Cambeis vor einer schweren Knieverletzung einst zwar in der Regionalliga für die U23 des Karlsruher SC, auf Trainerebene war die Verbandsliga bislang aber die höchste Spielklasse für den 34-Jährigen. Das hessische Oberhaus erwartet Cambeis „sehr ausgeglichen“ und rechnet oben wie unten mit Überraschungen. Klassische Konkurrenz um den Ligaverbleib dürften neben den Aufsteigern Rot-Weiß Hadamar und Hessen Kassel II auch der CSC Kassel sein.

Zweite Pokalrunde ist das Ziel

Der Klassenerhalt genießt obere Priorität, daneben peilt der SVU den Titel-Hattrick im Kreispokal und den erstmaligen Einzug in die zweite Runde im Hessenpokal an. Beim ehemaligen Verbandsliga-Konkurrenten Rot-Weiß Darmstadt steht am Sonntag (26. Juli, 15 Uhr) der Pflichtspielauftakt an. Nach einem 3:3 in der Hinrunde schlug Unter-Flockenbach den Verbandsliga-Achten im April 5:1. Aufgrund namhafter Neuzugänge erwartet Cambeis dennoch „kein einfaches Spiel“.

Bis zu vier neue Namen kündigt der Trainer derweil in seiner Elf für Sonntag an. Aufgestellt wird die aber von den Co-Trainern Daniel Limonciello und Philipp Müller, weil Cambeis im Urlaub weilt. Während eine Doppelspitze um Linus Hebling und Neuzugang Marlon Ludwig noch zur Debatte steht, ist Neukirch in der Defensive gesetzt. Auch zwischen den Pfosten wird mit Mauritius Schönig ein neuer Mann stehen. Der Ex-Darmstädter darf in den Pokalspielen ran, während Timo Ulpins wie schon in der vergangenen Rückrunde das Vertrauen in der Liga erhält. „Weil er mit dem Ball am Fuß und in Sachen Ausstrahlung und Ruhe einen Tick besser ist“, begründet der Trainer seine Entscheidung. Max Heckhoff und Aron Unrath fallen nach Verletzungen noch aus, Fabio Lo Porto ist wegen Muskelproblemen fraglich. Zwei Akteure muss das Trainerteam damit aus dem Kader streichen – „was gut ist“, freut sich Cambeis über die vielen Optionen. Auch die Breite soll in Unter-Flockenbach dafür sorgen, dass in dieser Saison aller guten Dinge drei sind.


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